Deutsche Bürokratie – Teil 2

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Vor 4 Tagen hab ich lang und breit über meine Erfahrung mit der deutschen Bürokratie bzgl. der SIM Sperre berichtet.
Damals hab ich fälschlicherweise den Angaben des Debitel Kundendienstes geglaubt. Binnen 18 Uhr wäre meine SIM wieder aktiv gewesen.
Der jetzige Stand: Ich bin immer noch ohne SIM (also Telefon, SMS und Internet).
Vorgestern bin ich deswegen nochmals zu Mediamarkt gegangen, um dies zu melden. Der Typ vom Tag davor war nicht da und ich musste mit der ausführlichen Erklärung die Lage beschreiben. Es sei aber ohne Bestätigung der Bank nicht möglich. Also musste ich so lange verhandeln, bis ich diese per Email an die private Adresse vom Typ schicken durfte, anstatt noch mal hinzulaufen. Der Beleg der Bank ist rein bürokratisch, denn die Zahlung, die bewiesen werden muss, hat mit der Sperre absolut nichts zu tun.
Der nette Typ hat dann telefoniert, um zu betätigen, dass meine Karte innerhalb von 2 Stunden wieder funktionieren würde. Haha.
Am Tag danach war ich wieder beim Mediamarkt. Alles von vorne. Aber diesmal hab ich mich echt aufgeregt und so lange getobt, bis ich 10€ Zurückerstattung sichern konnte. Danach hieß es: “Diesmal wird es klappen! In höchstens 3 Stunden läuft alles wieder.”
24 Stunden später steh ich nun hier, immer noch von der Außenwelt abgekapselt.
Ich habe vorhin angerufen, um dies ERNEUT zu melden, aber es dürfen scheinbar solche Dinge telefonisch nicht geregelt werden. TOLL! Ich darf wieder gleich zum Mediamarkt marschieren. Eines ist sicher: Ich mach die heute fertig. Ich weiß über Gesetze bescheid; hab bei den Vorlesungen “Recht” gut aufgepasst. ;) So hab ich gleich den gepriesenen Praxisbezug der DHBW bestätigt.

Vor einer Woche hab ich folgenden Satz formuliert: “Ich bin bei Mediamarkt mindestens genau so gerne, wie Frauen in einem Schuhgeschäft.” Hiermit widerlege ich meine Behauptung offiziell. Aber bei Saturn schau ich gern rein! ;)

Nun zitiere ich die Gesetze des guten Murphy, denen bisher noch nie widersprochen werden konnte:

“1) Wenn etwas schiefgehen kann, dann geht es schief.
2) Wenn etwas auf verschiedene Arten schiefgehen kann, dann geht es immer auf die Art schief, die am meisten Schaden verursacht.
3) Hat man alle Möglichkeiten ausgeschlossen, bei denen etwas schiefgehen kann, eröffnet sich sofort eine neue Möglichkeit.
4) Die Wahrscheinlichkeit, dass ein bestimmtes Ereignis eintritt, ist umgekehrt proportional zu seiner Erwünschtheit.
5) Früher oder später wird die schlimmstmögliche Verkettung von Umständen eintreten.
6) Wenn etwas zu gut erscheint, um wahr zu sein, ist es das wahrscheinlich auch.
7) Wenn etwas nicht schiefgegangen zu sein scheint, dann wurde der Fehler lediglich noch nicht entdeckt, wodurch alles nur noch schlimmer wird.
8) Geht etwas nicht schief, so tritt sofort Regel 1 in Kraft.”

Wieso? Naja, zu Hause hab ich nach einem Monat immer noch weder Festnetz, noch DSL. Aber diesbezüglich könnte ich einen noch längeren Blog Post schreiben!

Was für ein Tag! Deutsche Bürokratie hautnah!

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Mitten in einer recht interessanten und umfangreichen, aber dennoch miserabel vorgetragenen bzw. einfach öden Vorlesung über Finanzdienstleistungen trifft eine seltsame SMS ein: “Lieber Mobilcom Debitel Kunde, Ihre SIM Karte wird gesperrt. Bitte Rufen Sie die Nummer 01805257488 an. Maximal [also ziemlich genau] 46ct pro Minute.” Ich habe sofort den Verdacht gehabt es könne sich um einen billigen Betrug handeln. Du rufst an und wirst abgezockt. Warum? Keine Begründung für die Sperrung; klingt eher nach einer Drohung!  Jedenfalls hab ich da selbstverständlich vorerst nicht angerufen und zuerst die anzurufende Nummer gegoogelt (ich geh stark davon aus, dass dieses Verb demnächst im Duden erscheint. ^^ Wobei man doch eigentlich “googlen” und nicht “googeln” schreibt?) Grund für diesen vokabularischen Exkurs ist schlicht und einfach die Tatsache, dass ich fix und fertig in der S-Bahn WEGEN Debitel sitze und mich langweile.

Google – google hat immer recht und mein fundiertes Wissen verdanke ich leider nun mal Google – bestätigt mehr oder weniger meinen Verdacht. Kein Problem, SMS gelöscht und Drohung ignoriert. Als aber komischerweise in den Minuten darauf keine SMS/Emails/Facebook notifications meine Aufmerksamkeit auf mein iPhone 4 gelenkt haben, hab ich selbst geprüft, ob auch wirklich niemand von “Single” zu “in an open relationship, and it’s complicated!” übergegangen ist, oder ob irgend eine Email Newsletter in meinen bereits überfüllten Posteingang für Unordnung sorgt.

Knallhart kam eine Meldung: “You are not connected.” Hmh… Zufall? Nach einigen Minuten reset/reboot und Einstellungsversuchen, bin ich zur Einsicht gekommen, dass die SMS vielleicht doch kein Fake war. Als dazu noch eine SMS nicht abgeschickt werden wollte (Frechheit!), war es klar. Ich versuchte danach meinen “Devil Bro”, Alias “Arijen Van Baast”  anzurufen, als eine nette Dame am Telefon nochmals den Preis nannte, um aus einem anderen Telefon den Kundendienst zu erreichen. Von den Umständen gezwungen, musste ich mein Backup 10€ Handy rausholen und tatsächlich fast 1€ für ein sinn- und informationsloses Telefonat bezahlen. “Die Leitungen sind besetzt, bitte warten Sie.”

Nun hatte ich keine andere Wahl, als zum Mediamarkt zu laufen, wo ich mein iPhone gekauft habe. Da wurde mir folgendes erklärt: Es liege an meinem Bankkonto, was höchstwahrscheinlich ungedeckt sei. Naja, so arm bin ich nun auch nicht. Zu Hause hab ich alles überprüft und keine Anomalie auf meinem Konto feststellen können. Ich musste nochmals Debitel  anrufen, diesmal 2€ für die Information, dass meine SIM gesperrt wurde, da der Betrag von x€ überschritten worden sei und ich mit unter 21 Jahren noch nicht bemächtigt sei so viel auszugeben. Kein wunder, der monatliche Grundpreis des Vertrags ist bereits über der Grenze! Ich habe außer dem Grundbetrag auch nichts weiteres zahlen müssen, da ich bisher nur die frei SMS und Minuten genutzt habe.

“Um Ihre Karte zu aktivieren, überweisen Sie bitte das Geld an unsere Bank” Also auf gut Deutsch: “Wenn wir in drei Tagen das Geld erhalten, kriegen Sie vielleicht am Tag darauf Ihre Nummer funktionstüchtig zurück.” Das kann doch gar nicht sein, oder?! Gesagt, getan! Mit der Bestätigung der Überweisung bin ich wieder zu Mediamarkt gefahren, in der Hoffnung, dass es durch den Kundenservice dort schneller gehen würde!

In der Tat schicken sie ein Fax ab und morgen um 18 Uhr dürfte meine Nummer wieder Anruf und SMS fähig sein. Aber jetzt kommt der Hammer: Der Typ vom Mediamarkt hat natürlich mein Problem begriffen und in der Zentrale angerufen, um es zu lösen. Dort wollten sie tatsächlich nicht verstehen, dass der Grundpreis, den ich monatlich zahle, bereits über der Grenze liegt, die bei Personen unter 21 automatisch für die SIM Sperre sorgt. Nach 10 Minuten Diskussion und Personal-Weiterleitungen war – zumindest hat es so der Typ behauptet – das Problem behoben.

Aber das Geld sei abgebucht worden. “Wie jetzt? Nicht im ernst, oder? Ich hab doch vor 20 min. eine Überweisung tätigen müssen! Die SIM wurde doch gesperrt! Ist das denn keine Sicherheitsmaßnahme, um zu hohe Kosten zu vermeiden?” Nein. Das Geld sei abgebucht, aber ich könne ja die Überweisung stornieren. Um so etwas zu tun, braucht man 1 Monat Wartezeit und ein Fax. Ich besitze leider keins von beiden. Zum Glück kam vom netten Typen der Vorschlag, dass das überwiesene Geld als Guthaben benutzt werden könne, sodass ich de Facto nächsten Monat nicht zahlen sollte. Als Beleg gilt die Überweisung. WENN DAS MAL GUT GEHT!

Darf ich denn nach diesem Geschehen der deutschen Bürokratie trauen? Nach 19 Jahren italienischer Bürokratie komme ich wahrscheinlich auch in China gut zurecht.

Moral der Geschichte: Google hat immer Recht. Mann muss nur besser suchen. Und immer schön auf Fallen wie “Sie haben nicht bezahlt, bitte überweisen sie hier, sonst…” hereinfallen! Das macht alles einfacher!

Nach 9 Stunden Vorlesung und der Mediamarkt-Debitel Odyssee, kann ich jetzt zufrieden zu Hause chillen, bzw. im Fitnessstudio meinen Stress rauslassen.

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